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Ich erreiche die historische Burgruine, die jetzt in der einbrechenden Abenddämmerung in einem durch Strahler angeleuchteten romantischen Licht erscheint. Die Burg Rötteln, am Dreiländereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich gelegen zählt zu dem Wahrzeichen von Lörrach und ist die drittgrößte Burgruine Badens. Ihre Erbauung geht bereits auf das 11. Jahrhundert zurück. Sie war im frühen Mittelalter als eine der mächtigsten Festungen im Südwesten bekannt, und galt weitläufig als uneinnehmbar, bis sie 1678 durch französische Truppen belagert und schließlich niedergebrannt wurde.

Dennoch sind weite Teile der Ruine auch heute noch gut erhalten geblieben. Wenn man den Legenden, die sich um dieses alte Gemäuer ranken glauben schenkt, dann schienen die alten Burgmauern schon kurz nach Baubeginn bereits von allen guten Geistern verlassen. Denn als die Edelherren von Rötteln diese stolze Burg errichteten, so erzählt eine alte Geschichte, mussten dafür die ohnehin schon durch die Landbesitzer sehr gebeutelten Bauern die schweren Steine schleppen und damit die Mauern errichten. Einer Hofdame der damaligen Zeit war das Tempo, in dem die Burg in die Höhe wuchs allerdings nicht schnell genug, und sie gab sich unzufrieden, da nach ihrem Ermessen die Arbeit viel zu langsam verrichtet wurde. So trieb sie die Bauern zu immer größerer Eile an, und ließ sie unter schweren Bedingungen bis zur völligen Erschöpfung an der Burg bauen. Die Bauern verwünschten daraufhin das unbarmherzige Burgfräulein, und bedachten diese mit dem Fluch, dass sie ebenso wie einst die Bauern beim Bau der Burg, so auch ihr selbst keine Ruhe vergönnt sei.

 

Und der Sage nach hatten die Bauern mit ihrer Verwünschung der Dame Erfolg, denn nach ihrem Tod soll sie bis in die heutigen Tage nie zu ihrer letzten Ruhe gefunden haben. Denn seither gibt es zahlreiche Berichte, nach denen das Fräulein in weißem Kleid und Schleier auf der Burg umhergeht. Manch einer will sie dabei schon auf der Zugbrücke beim spinnen beobachtet haben. In den Vollmondnächten, so heißt es weiter, soll auch heute noch ihr wehklagendes Seufzen bis weit in die Täler hinein deutlich vernehmbar sein.

 

Zumindest heute Abend scheint sie sich jedoch mit ihrem Seufzen und Wehklagen zurück-zuhalten, denn außer den Geräuschen, die an diesem Abend von den Gästen des Biergarten der Burgschenke zu mir vordringen, scheint es ansonsten recht still zu sein. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu früh dran, denn ein Blick in den mittlerweile nächtlichen Himmel zeigt mir auf, dass dem Mond noch ein winziges Stückchen fehlt, um als Vollmond zu gelten. Nachdem in jüngster Vergangenheit der berühmte Ausspruch „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ Einzug in die Geschichtsbücher fand, so gilt hier und heute dann eher stattdessen der Satz „wer hier zu früh ist, den verschont das Burgfräulein“. Und ich muss gestehen, dass ich auf eine Begegnung mit der geisterhaften Dame am heutigen Abend auch wenig Wert lege. Die Stimmung mutet dennoch etwas unheimlich an, der beinahe Vollmond zeigt sich durch ein paar wenige Schleierwolken verdeckt und steht direkt jetzt über dem Turm der Oberburg, zu der ich mich gerade begebe. Der Zugang erfolgte einst über eine Zugbrücke, deren steinerne Brückenpfeiler noch gut erkennbar sind. Heutzutage ist die Oberburg –oder auch Hauptburg genannt über eine steil ansteigende Holzbrücke erreichbar, die über den Schutzgraben vor der Burg führt.

 

„Kein Wunder, dass die Anlage als uneinnehmbar galt“ überkommt mich der Gedanke, während ich über die besagte Holzbrücke schreite und dabei einen Blick in den tiefen, schluchtartigen Graben werfe, den sie überspannt. Und wenn ich mir die Sicherheitsvorkehrungen der Burg, und nicht zuletzt die zahlreichen Schießscharten so anschaue, dann liegt es nahe, dass man solch ein Bauwerk nur durch List oder Verrat einnehmen konnte. Hierbei scheint die Sage über den einstigen Untergang dieser ehemals mächtigen Verteidigungsanlage diesen Gedanken nur noch zu bestätigen. Die Zerstörung der stattlichen Burg vor nunmehr über 300 Jahren blieb der Bevölkerung schon damals ein Rätsel, und es entstanden daher verschiedene Theorien, wie die große und wehrhafte Burg, die als uneinnehmbar galt, zerstört werden konnte. Eine Erklärung hierzu liefert die folgende Sage, der zufolge die stolze Festung ihren Fall einer rachelustigen Frau verdankt. Laut dieser Legende lebte dazumal in Binzen im Kandertal, unweit der Burg Rötteln, ein Kräuterweiblein mit ihrem Mann und deren Tochter. Der Mann war der Knecht des jähzornigen Burgherrn von Rötteln..........

 

 

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